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Michael Benders Verzerrer "The Seven Theeth"

Es gibt mehr  kraftlose, super-warme, schönfärbende, Mitten aufblähende, teppichverhangene, fast-von-selbst-spielende Anfänger-Verzerrer wie Sand am Meer.

Und es gibt welche, die mit grellen, kratzenden Höhen unharmonisch vor sich hin quäken, ausgestattet mit Ebay-Germanium. Nicht zum Musik machen, eher für die psychologische Kriegführung.

Jetzt hat das Berliner Sound-Duo Bender/Klinzmann sich auf die Nach-Maestro-Zeit des Zerrens besonnen und heraus kam ein Pedal, so wie es die Gründerväter eigentlich geplant hatten.

Dieser  "nasse", geschmeidige Klang ist einfach unbeschreiblich... 

 

Lassen wir am besten Michael Bender selber zu Wort kommen:

"Ich bin mir sicher, dass tausende Rock-Gitarristen ein ähnliches Gefühl wie ich hatten, als sie zum ersten mal "Whole lotta love" von Led Zeppelin hörten. Schon von den ersten Tönen geht eine Signalwirkung aus. Und dann dieses Jimmy-Page-Solo, das aus purer Energie zu bestehen scheint... 

Wie ich später erfuhr, war ein wichtiges Element dabei der "Sola-Tonbender", später "Colorsound". Aber als ich vor einiger Zeit die Reissues probierte, war ich überhaupt nicht begeistert. Starr und kratzig.

Vor kurzen bat mich Bernd, die Sache genauer zu untersuchen und ich fand heraus, dass der ganze Ton mit den verwendeten Germanium-Transistoren steht und fällt. Egal welcher Transistor-Typ, welcher Name, welche Nummer; wenn man Schrott siebt, wird man nur Schrott bekommen. Das Problem ist einfach, das Germanium Bestände - die ja nun auch schon viele Jahrzehnte auf dem Markt sind - immer wieder durchgesucht wurden. Was übrig bleibt ist eben nicht mehr zu gebrauchen.

Es gibt auf der ganze Welt nur eine einzige Ausnahme: Transistoren-Bestände, an die niemand rankommt: Das Militär. Die horten das Zeug bis zum St. Nimmerleinstag! Und bei der russischen Armee werden noch jede Menge der richtigen Germanen gestapelt...

Durch einen Mittelsmann in Köpenick konnte ich eine Menge dieses Traum-Typs kaufen und wenn man diese gründlich (und vor allem nach den richtigen Parametern) aussucht, findet man Transistoren, die denen in den Original-Pedalen in nichts nachstehen. Im Gegenteil. Fürs erste reicht es für 150 Pedale. Und weiterer Nachschub ist in Sicht.

Außerdem haben die modernen Nachbauer noch eine Handvoll Parameter übersehen, zum Beispiel das kritische Verhalten der Eingangskapazität, die Vorwärts-Steilheit, den mittleren Stromverstärkungsfaktor und noch ein paar andere wichtige Dinge, die nichts für die Öffentlichkeit sind. Tja, Germanium ist eben eine andere Welt. In den Sechzigern hatte man die ganzen Tricks noch drauf; heute gibt es nicht mehr viele Leute, die sich noch daran erinnern..." 

Bernd Klinzmann
Whole lotta love
Bernd Klinzmann
Smoke on the water
"The Seven Theeth"
179,90 Euro

Man höre und staune: Kein geringerer als Joe Walsh von den Eagles hat sich einen 7-Teeth zum Testen nach Kalifornien kommen lassen. Dort, wo wirklich kein Mangel an Zerrern herrscht, selbst dort hat der "Sieben-Zahn" eine Chance! Und zwar nicht bei irgend jemand, sondern bei einem Mann mit super-kritischen Ohren. Joe Walsh, der eine echte 58er Paula spielt und auch sonst nichts zweitklassiges toleriert!

Technik:

Der 7 Teeth hat einen Volumen-Regler, einen Tone- und einen Fuzz-Regler. Eine LED Anzeige und einen Tue-Bypass. Er kommt mit Spannungen zwischen 8 und 12 Volt problemlos zurecht und braucht nur ganze 2 mA!

Das Gerät ist verpolungsgeschützt und die Anschluß-Buchse ist eine völlig normale 2,1mm DC-Buchse, Negativ innen. Wie bei Boss, Ibanez und all den andern...

Die Standard-Einstellung ist Volumen 4, Fuzz 6, Tone 7.

Sound:

Kein Einheitsbrei, absolut nicht. Satt wie ein alter Marshall und mit unheimlich viel Biss. Ein Zerr-Sound der alles hat. Nix ist gefiltert, nix ist verbogen, nix ist künstlich! Und er lässt die Gitarre in Ruhe. Ihr Charakter wird nicht geknebelt, nicht gleichgeschaltet, nicht vermatscht; das Instrument kann frei atmen und seine Dynamik ausleben.

Es bilden sich schöne, harmonische Obertöne, so daß sogar ein knall-heller Single-Coil Pickup noch singt! Und wenn es dann doch zu viel sein sollte, dann kann man ja den Ton-Regler etwas zurückdrehen, mit dem Seven Teeth geht das wirklich!

Ton:

Weder krankhaft breitbandig, noch kantig, noch schwammig. Das Pedal setzt sich überall durch, problemlos. Der "Seven Teeth" hat eine Kraft, wie man sie nur selten findet.

Nicht das brachiale, bullige Durchsetzen um jeden Preis; es ist eine elegante, souveräne Kraft die einfach die richtigen Harmonischen hat. Und dadurch den Ton trägt.

Charismatisch. Ja genau, ein Verzerrer mit Charisma, wieso eigentlich nicht? Man braucht sich für den Ausdruck nicht zu schämen!

Eignung:

Für ernsthafte Gitarristen mit etwas Erfahrung. Für Studio und Bühne. Für alle vernünftigen Gitarren und Tonabnehmer - egal ob Single-Coil oder Humbucker. Nebengeräusche kein Problem.

Wie bei alle Germanium-Schaltungen ist es nicht gut, wenn die Transistoren übermäßig heiss werden. Also nicht vor dem Auftritt das Pedal bei glühender Sonne im Auto lassen. Und auch nicht direkt auf ein Röhrentop legen.

Und ebenso sollte man Germanen (für eine optimale Sound-Leistung) vor den Gebrauch ein paar Minuten warmlaufen lassen, genauso wie man auch vor den Gebrauch älterer germanische Diesel-Fahrzeuge (für eine optimale Fahr-Leistung) vorglühen muss.

Demos:

Die Demos sind - wie könnte es anders sein - von Bernd Klinzmann. Sollte es noch einen geben, der sie nicht erkennt: Es sind "Whole lotta love" von Led Zeppelin und "Smoke on the Water" von Deep Purple. Letzteres Stück ist zwar in Musikerkreisen verpönt, wenn man es jedoch richtig und mit dem entsprechenden Ton spielt, so ist nichts dagegen einzuwenden.

Beide Stücke sind mit einem Marschall JCM 800 und der dazu passenden 4x12er, dazu eine Paula bzw eine Esche-Strat gespielt. Reslo-Bändchen-Mikrophon und Lexicon Hall.

Auch sehr hörenswert und natürlich auch von Bernd gespielt: Die Demos vom Lift.

 


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