Geoffereys Wah Wah Geschichte
Alle Produkte von Geoffrey R. Teese haben ihre Vorfahren in Italien und
Kalifornien. Es lässt sich zwar trefflich darüber streiten, wer nun der Erfinder
das Wahs ist, Tatsache ist jedenfalls, dass Musiker und Sammler das alte Wah Wah
der Thomas Organ Company als Ursprung ansehen. Deswegen sind diese auch die
gesuchtesten Pedale.
Die alten Thomas Organ Company Vox-Wahs wurden sowohl in Italien als auch in
den USA gebaut. Die Schaltung war immer die gleiche, die verwendeten Bauteile
absolut nicht. Damals hat sich kein Mensch über die klanglichen Unterschiede
Gedanken gemacht, heute jedoch ist das ein Gebiet von größter
Wichtigkeit.
Der erste Lern-Schritt
Geoffrey Teese ging zu den Quellen, als er nach den Spezifikationen für seine
RMC Serie suchte. Mit den Methoden eines Detektives fand er mehrere alte
Ingenieure, die damals an verschiedenen Details der alten Wahs arbeiteten. Von
jedem konnte er etwas lernen, Detail um Detail wurden nachgebaut und geprüft.
Ein wahrer Glücksgriff war, dass der den früheren National Service Manager von
Thomas fand, ganz kurz vor seiner Pensionierung. Durch ihn und seine penibel
geführten Unterlagen erfuhr er nicht nur, wo damals die Teile gekauft wurden; er
erhielt auch alte Mikrofilme von Konstruktionszeichnungen, sowie die originalen,
alten Spulen, die der gute Mann als Muster über all die Jahre aufgehoben hatte.
So fand er heraus, wer, warum und wie damals die Spulen gemacht hatte, und
erhielt Informationen, die vor ihm noch keiner zu Gesicht bekam. Jetzt, mit der
richtigen Spule konnte er beginnen, Wah Wah Pedale zu bauen. Und sie richtig zu
bauen. Dachte er.
Der zweite Lern-Schritt
Dann kam die zweite große Aufgabe, nämlich die italienischen und
amerikanischen Platinen zu analysieren. Als guter Gitarrist konnte er die
Unterschiede zwar klar hören, aber die physikalischen Zusammenhänge waren weit
weniger klar. Das Verrückte war: Er konnte eine gutklingende, alte Spule auf
eine handelsübliche (schlecht klingende) Platine löten, es klang immer noch
schlecht.
Er arbeitete viele Wochen, es musste einfach einen Weg geben, der verlorenen
Ton wieder zu finden. Und als er sich eines Tages an seinen Physikunterricht in
der Schule erinnerte, klickte es plötzlich. Nach und nach kam er auf eine Reihe
von Theorien, er testete sie alle, eine erwies sich als richtig, und plötzlich
war wieder ein Stück des Puzzles gefunden!
Die Phase der
Modifikationen
Jetzt konnte er Durchschnittspedale in großartig klingende Wahs verwandeln.
Er arbeitete für ungefähr jeden namhaften Gitarristen in dieser Zeit. Und Randy
Whitney von Korg/Vox machte ihm zum Vintage Spezialisten. In dieser Phase begann
Geoffrey Platinen von Hand zu bauen, und er gab ihnen den Namen "Real McCoy",
seine Referenz an das alte Clyde McCoy "Picture-Wah".
Der Vari-Tune
Circuit
Immer mehr Umbauten nahm er vor, als sich seine Reputation ausbreitete, und
das Geschäft boomte kräftig. Er stellte auch fest, dass einige Gitarristen ein
zweites Mal zu ihm kamen, dieses Mal um sich den Toncharakter ändern zu lassen,
um nicht nur ein gut klingende Wah zu haben, sondern auch ein gut klingendes Wah
mit einem eigenen Sound. Und so entwickelte er langsam den "Vari-Tune Circuit",
eine Schaltung, die den Pedalcharakter beeinflusste. Meistens wurde der Q-Faktor
und/oder der überstrichene Frequenzbereich verändert. Die Kunden waren voll
zufrieden, Teese war es immer noch nicht.
Die Erweiterung des
überstrichenen Frequenzbereiches
Es ist zwar sehr schön, seinen eigenen Bereich für sein Wah zu finden, jeder
noch besser ist es, den Bereich zu erweitern, so dass das Pedal sowohl höher
raufgeht als auch (gleichzeitig) tiefer runter im Spektrum...
Und wieder entschied er sich, Leute mit dem nötigen Wissen zu suchen. Dieses
Mal war ein älterer Ingenieur von Ampeg der "Hüter des verbogenen Wissens". Nach
mehreren längenen Gesprächen hatte Geoffrey genug Inspirationen um mit dem
Entwurf für das RMC-2 zu beginnen. Dieses Pedal bot die Möglichkeit, einen
breiteren Frequenzbereich auszunützen. Wie zu erwarten war, wurde auch dieses
Design zum vollen Erfolg.
Der Mann von Thomas
Nicht einmal drei Monate später begegnete Teese dem Designer des Thomas Wahs.
Nach einem langen Gespräch wusste er viel über die Entstehung dieses legendären
Pedals und über die Grundgedanken, auf welchen die Entwicklung basierte. So
schnell Geoffrey fragen konnte, so schnell hatte er eine fundierte Antwort. Und
jetzt machten auch plötzlich viele Aussagen des alten Ampeg-Ingenieurs plötzlich
Sinn! Ein wahrhaft historisches Treffen zwischen zwei Leuten, von denen einer
die Geschichte des Wahs, der andere die Zukunft verkörperte.
Das
ICAR-Pot-Dilemma
Nachdem eine Schaltung fertig war, die alle klanglichen Details produzieren
konnte, war das nächste Ziel das Problem des Potentiometers zu lösen. Denn man
konnte einfach keinen normalen Pot verwenden. Die Kurve ist falsch, der Ton ist
falsch, kurzum das beste Wah ist für Profis nichts wert ohne den richtigen Pot!
Dummerweise war das originale italienische ICAR Pot nicht mehr zu bekommen. Die
ganze Fabrik, samt Aufzeichnungen existierte schon lange nicht mehr. Nicht genug
damit, niemand in der Potentiometer-Industrie war in der Lage, einen ICAR
nachzubauen. Geoffrey Teese hatte einen einzigen alten, ungebrauchten ICAR-Poti
gefunden, mehr gab es nicht mehr. Das war das letzte Einhorn....
Durch vergangene "unmöglichen" Suchen bestätigt, begann Geoffrey nach einem
Poti zu suchen, das dem ICAR entsprach. Nachdem er Dutzende von Herstellern
abgeklappert hatte und mit unzähligen Potentiometer-Leuten gesprochen hatte,
fand er jemanden, der die Charakteristika des ICAR beinahe kopieren konnte. Aber
eben nur beinahe, und das war das Dilemma. Um der Sache den letzten Schliff zu
geben musste der Hersteller seinen letzten ICAR Pot total zerlegen und dabei
kaputtmachen. Und das war wirklich das allerletzte ungebrauchte Original. Teese
ging das Risiko ein, und nach zwei nervenzerreibenden Monaten kam tatsächlich
ein Muster. Es war gelungen. Der ICAR war wiedergeboren!
Die
Tour-Option
Solange die Potis serienreif gemacht und die erste Serie hergestellt wurde,
arbeitete Geoffrey R. Teese an einem weiteren unlösbaren Problem. Wie alle alten
Effekte waren Wahs für Hochfrequenzen, also z.B. Radiowellen extrem empfindlich.
Es gibt sogar Plattenaufnahmen von Berühmtheiten, auf denen deutlich der
örtliche Radiosender zu hören ist. Niemand hatte sich je darum gekümmert. Aber
Geoffrey R. Teese wäre nicht er selber, wenn er ein derartiges Problem
geschluckt hätte, und so entwickelte er ein passiver EMI und HF Filter, den er
seither als Option anbietet, die Tour-Option.
Tone Toys hat übrigens
mit Geoffrey vereinbart, dass alle RMC-3 Pedale die über Tone Toys geliefert
werden, diesen Filter eingebaut haben. Kostenlos natürlich!
Und mit den HF Einstreuungungen war wahrscheinlich das letzte Problem
gelöst.
Das Programm
Mit diesen Voraussetzungen war das Know-how komplett, das Programm jedoch
nicht. Das RMC-1 spiegelte all die Modifikationen wieder, die Geoffrey in seiner
langen Karriere angewandt hatte. Was aber, wenn jemand nur den vintage Ton
suchte, ohne Boost, und ohne all die Änderungen? Für diesen Kundenkreis
entwickelte Teese das Picture Wah. Eine genaue Nachbildung der ersten Clyde
McCoy, einschließlich der originalen HALO Spule.
Ebenso besaß das RMC-3 mit der Vari-Tune Schaltung Zugriffsmöglichkeiten zu
allen Parametern. Was aber wenn jemand im Studio oder gar auf der Bühne schnell
Modifikationen vornehmen musste? Für diese Leute baute Geoffrey sein RMC-2 mit
aussen liegenden Reglern. Und damit deckt das Real-McCoy-Programm alles ab, was
man sich von einem Wah je erträumt hat. Jeder findet "sein" Pedal, und in jedem
Pedal steckt das ganze Wissen und die Erfahrung von Geoffrey, dem Wah Wah
Guru....
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